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Kirchenbesichtigung in Sonnborn am 13.10.2022

Veranstaltung: Kirchenbesichtigung in Sonnborn am 13.10.2022 Ca. 20 Teilnehmer fanden sich ab 13:40 Uhr vor der imposanten Sonnborner Hauptkirche ein, um dieses wirklich markante Bauwerk zu besichtigen und etwas über Baustil, Geschichte und aktuelle Situation zu erfahren.

Schon vor Beginn der Führung kam in Gesprächen heraus, dass die Kirche nicht zuletzt aufgrund ihrer prominenten Lage am Autobahnzubringer und an der Schwebebahn den meisten Teilnehmern von außen bekannt war, kaum aber jemand die Kirche von innen kannte.

Unsere Gruppe wurde an der ersten Station, der Sonnborner Hauptkirche, nicht von der heiligen Dreieinigkeit aber jedoch von Frau Dr. Lekebusch, der Leiterin der Veranstaltung, Herrn Römpke, Vorsitzender des Presbyteriums der Gemeinde sowie Frau Krieger, Kirchenmusikerin, betreut. Zwar waren die Erläuterungen durch eifrig schaffende Handwerker und die regelmäßig vorbeirauschende Schwebebahn ab und an etwas schwierig zu verstehen, was aber dem interessanten Inhalt keinen Abbruch tat. Hintergründe zur Geschichte und Architektur der Kirche, deren äußerer Anblick mehr an eine Trutzburg erinnert, zum kuppellosen Glockenturm, zur für einen Sakralbau ungewöhnlichen Freitreppe wurden ergänzt durch Anekdoten zur Gemeindegeschichte im Wechsel durch Frau Dr. Lekebusch und Herrn Römpke anschaulich vorgetragen.

Mit dem einsetzenden Regen betraten wir das Innere der Kirche und hatten alle den sogenannten “WOW“-Effekt. Der Innenraum wich in mancherlei Hinsicht von der bekannten Struktur anderer Gotteshäuser ab. Die Einrichtung spiegelt den reformistischen Zeitgeist wider. Kein Prunk, aber eine „Wohlfühlatmosphäre“ schaffende, gediegene, durch viel Holz geprägte Einrichtung. Was bleibt hängen? Die sehr unterschiedlichen, farbigen, prächtigen und originalen Kirchenfenster (es gab keine Kriegszerstörungen), eine beeindruckende Holzdecke mit vielfältigen Schnitzarbeiten, das durch die Presbyterstühle im Hintergrund begrenzte Ensemble von Altartisch, Kanzel und Orgel. Die Frage nach den scheinbar fehlenden Kreuzen im Kirchenschiff und Altarbereich wurde durch Hinweis auf in den Schnitzarbeiten der Decke und in den Rundbögen verborgenen Kreuzen und durch die Anordnung Altartisch, Kanzel und Balustrade vor der Orgel, die ein großes Kreuz bildete, geklärt. Die prächtige und mächtige Orgel präsentierte sich frisch restauriert und beeindruckte mit ihrer Klangfülle bei den drei von Frau Krieger gespielten Musikstücken. Während der größere Teil der Gruppe sich Herrn Römpke zur Turmbesteigung anschloss, bekam der Rest der Gruppe weitere Informationen zur Restaurierung der Orgel. 17 Stufen vor der Dachluke endete der Versuch, die Aussichtsplattform zu betreten, weil tausende von winzigen Fliegen sich auf dem letzten Teil der Stufen eingenistet hatten und ein Durchkommen nicht ermöglichten. 300 Stufen also in die körperliche Fitness investiert. Am Schluss der Besichtigung der Sonnborner Hauptkirche kam noch etwas Missstimmung auf, weil einzelne, nicht zur FSA gehörende, Teilnehmer eine kleine Diskussion zu kirchenpolitischen Fragen begannen, die nun nicht zum Thema der Führung passten.

Die Kombination von ausgeprägtem Fachwissen und passend ergänzenden Anekdoten und Geschichten aus der Kirchengemeinde machten neben dem Bauwerk und der Orgel selbst den besonderen Reiz der Führung aus. Dies umso mehr, als die komplexen historischen Hintergründe und die architektonischen Besonderheiten anschaulich und auf die Kerninformationen beschränkt dargestellt wurden und nicht in Zahlen- und anderen Details untergingen. Hierzu ein herzlicher Dank an Frau Dr. Lekebusch, Frau Krieger und Herrn Römpke.

Ein kurzer Spaziergang zur katholischen Kirche St. Remigius führte uns in eine andere Welt. Die Kirche, ein Neubau aus dem Jahre 1976, erwies sich als oval gestaltetes und sehr schlicht eingerichtetes Bauwerk, in dem nicht „warmes“ Holz sondern „kalter“ Beton dominierte. Die Einrichtung des Innenraums sollte die Trennung von Pfarrer und Gemeinde verringern. Hierzu waren die Kirchenbänke halbkreisförmig vor dem Altar angeordnet, so dass jeder von seinem Platz alle anderen Plätze sehen konnte und die Gemeindemitglieder insgesamt dem Altar näherkamen. Wir erfuhren, dass dies auf einer Umsetzung der theologischen und funktionalen Vorgaben des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) beruhte.

Der Gegensatz zwischen diesen beiden Kirchen war, so empfanden es alle Teilnehmer, beträchtlich. Die persönliche Bewertung, unabhängig von einer Kirchenzugehörigkeit, bleibt jedem Teilnehmer selbst überlassen. Die völlig unterschiedlichen Gestaltungen des „Hauses Gottes“ erleben zu dürfen, war in jedem Fall ein Gewinn.

Am Ende der Führung entließ Frau Dr. Lekebusch die Teilnehmer mit vielen Eindrücken und zum Nachdenken anregenden Informationen wieder in die Alltagswelt.

Mit herzlichen Grüßen an den Vorstand und der Bitte, den Mitgliedern der FSA weiterhin so interessante Veranstaltungen zu ermöglichen.

Helmut Schwarz

Anmerkung: Der Verfasser hat bewusst auf jedwedes Gendern verzichtet.

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